8Ausbildung im focus Ausbildung im focus D i e A u s b i e i n f a c h a n d e n N a g e l l d u n g h ä n g e n ? m o c . e b o d a . k c o t s , v v o s o r t a m © Schlecht geschlafen und jetzt wird auch noch das Grum- meln im Bauch immer stärker. Die Uhr zeigt gerade sieben und der Klos im Hals wird immer dicker. So in etwa fühlt sich in Deutschland rund jeder vierte Auszubildende, der sich dann schließlich für einen Ausbildungsabbruch ent- scheidet. Anfangs, in den ersten Wochen, hatte man sich auf jeden Tag in der Ausbildungsstätt gefreut. Und doch, obwohl es vielleicht sogar der »Traumberuf« war, plötzlich hat sich alles verändert. Die Gründe, die zu solchen Gefüh- len führen, sind unterschiedlicher Natur. In den meisten Fäl- len führen soziale Konflikte zu einem Ausbildungsabbruch. Analyse der möglichen Gründe Doch was, wenn man selbst so ein Unwohlsein spürt? In erster Linie geht es darum, herauszufinden, woher das Un- behagen eigentlich kommt. Ist es der barsche Kollege, der ständig an Deiner Arbeitsweise herummäkelt? Oder ist es etwa der cholerische Chef, der keine Sekunde Zeit ver- schwendet und ständig aber Ergebnisse einfordert? Wie ist die Kommunikation mit den anderen Kollegen im Betrieb? Wie hast Du Dich selbst ins Team integriert? Oder liegt es vielleicht an einem selbst aufgrund des mangelnden Engagements oder der Motivation? Diese Dinge solltest Du genau analysieren, Dich selbst fragen, aber dabei mög- lichst objektiv bleiben. Denn der Entschluss, eine Ausbil- dung in einem Betrieb zu beenden, sollte nicht leichtfertig gefasst werden. Am besten Du sprichst zunächst einmal mit dem Ausbildungsbetreuer, den Lehrern und mit den Eltern darüber. Und natürlich kann es auch sein, dass man sich unter dem Beruf etwas ganz Anderes vorgestellt hatte. Deswegen sind Praktika im Vorfeld immer eine tolle Sache. So kann man bereits früh erkennen, ob ein Aus- bildungsberuf überhaupt in Frage kommt. Entspricht also die Ausbildung so gar nicht dem, was man sich darunter vorgestellt hatte bzw. dem was beim Vorstellungsgespräch im Betrieb vereinbart wurde, sollte man sich mit dem Ge- danken beschäftigen, sich neu zu orientieren und die Aus- bildung zu wechseln. Aber auch gesundheitliche oder private Probleme können Gründe sein, eine Ausbildung abzubrechen oder sich neu zu orientieren. Doch Achtung: Nicht vorschnell handeln! Erstmal solltest Du Dir einen Alternativplan schmieden. Denn eine Lücke im Lebenslauf wirft bei späteren Bewer- bungen immer unangenehme Fragen auf. Wenn Du also kurzfristig nichts findest oder bis zum neuen Ausbildungsbeginn noch Zeit überbrücken musst, kannst Du Dir überlegen, ob für Dich vielleicht ein Freiwilliges Soziales Jahr, ein Au-Pair-Aufenthalt oder z. B. ein Auslandsaufent- halt in Frage kommt. Erst wenn Du Dich entschieden hast, solltest Du Deinen Ausbildungsvertrag kündigen. Wenn Du noch in der Probezeit bist, reicht ein formloses Kündigungs- schreiben, ohne dass Du einen Grund angeben musst. Mit der Abgabe des Kündigungsschreibens kannst Du den Be- trieb noch am selben Tag verlassen. Bist Du jedoch schon über die Probezeit hinaus, kannst Du mit einer Frist von vier Wochen ordentlichen kündigen. Welche Möglichkeiten gibt es? Alternativ kannst Du aber auch mit Deinem Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag aushandeln – sofern er einver- standen ist. Fristlos kündigen kannst Du nur dann, wenn etwas Schwerwiegendes vorgefallen ist bzw. es sich um einen schweren Gesetzesverstoß handelt, wie z.B. sexu- elle Belästigung, körperliche Gewalt oder ausbleibende Ausbildungsvergütungen. Aber vergiss nicht: Trotz Deiner Kündigung hast Du Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, auf die Auszahlung der Arbeitsvergütung bzw. Freizeitaus- gleich für Resturlaub und angefallene Überstunden.